Bildungszentrum Wiernsheim

Projekt: Neubau einer Kindertagesstätte mit Hort, Schülerbetreuung und im UG Gemeindearchiv in Passivhausbauweise
Ort: Lindenstraße, Wiernsheim
Status: realisiert
BRI: 8.300 m³
Nutzfläche: 1.091 m² KiTa und Hort, 301 m² Schülerbetreuung, 311 m² Gemeindearchiv

Auf Grund der gesetzlichen Vorgaben zur Schaffung von ausreichenden Krippenplätzen für Kleinkinder und dem Willen der Gemeinde Wiernsheim, die Kindergartenplätze an zentraler Stelle im Schulgelände zusammen zu fassen, entschied der Gemeinderat, ein sogenanntes Bildungszentrum zu bauen.

Durch die Nähe des Gebäudes zu Grund- und Werkrealschule wurde darüber hinaus festgelegt, dass in den Baukörper auch Räume für einen Schüleraufenthalt integriert werden, um den Kindern ein warmes Essen und eine Betreuung bei den Hausaufgaben anbieten zu können. Am Abend stehen diese, durch eine mobile Wand unterteilbaren Räume der Volkshochschule zur Verfügung, so dass der Name "Bildungszentrum" eine eindeutige Berechtigung erhält. Vom Kleinstkind bis zum Erwachsenen ohne Altersbeschränkung werden Wissen und Werte vermittelt.

Aus Gründen der Barrierefreiheit und Übersichtlichkeit wurde auf dem großzügigen Grundstück, das im Süden durch einen alten Baumbestand abgegrenzt wird, ein eingeschossiges Gebäude entwickelt. Dieses ist in Längsrichtung in zwei Baukörper gegliedert, die zu beiden Seiten entlang des zentralen Erschließungstraktes angeordnet sind. Diese beiden Längsriegel nehmen die Aufenthaltsräume auf, der mittlere die Flure und die Nebenräume. Beide äußeren Baukörper erhalten eine in Längsrichtung flach geneigte Dachlandschaft, der Mitteltrakt wird als Flachdach ausgebildet. Da die Dachneigungen beider Gebäudeteile unregelmäßig zueinander verlaufen, entsteht eine spielerische Auf- und Abbewegung. Alle Dächer werden extensiv begrünt. Der Abschluss der äußeren Riegel endet nicht im Rechten Winkel, sondern ebenfalls in einer leichten Neigung, um so eine gewisse Spannung zu erzeugen.

Durch die Orientierung in Ost-West- Richtung sind eine optimale Tageslichtnutzung und vor allem die Nutzung von solaren Wärmegewinnen gewährleistet. Das Gebäude passt sich dem natürlichen Geländeverlauf an. Von jedem Gruppenraum aus haben die Kinder einen direkten Ausgang ins Freie. Innen und Außen gehen fließend ineinander über.

Eine Besonderheit innerhalb des Krippenbereichs bildet der sogenannte "Snoezelraum". In diesem soll den Kindern eine entspannte, erholsame Atmosphäre vermittelt werden. Durch die im Raum verwendeten Materialien werden ausgesuchte Sinneswahrnehmungen angeregt, wie beispielsweise das Tasten, Hören oder andere. Gleichzeitig sollen, durch Abdunkeln des Raumes, unerwünschte Reize reduziert werden. Wegen der Größe des Bauwerks wurde auf eine klare, übersichtliche Gestaltung Wert gelegt, die es insbesondere den Kindern ermöglicht, sich leicht zu orientieren. Auf Grund der Geradlinigkeit der Flure entsteht im Gebäude eine durchgehende Blickachse, die mittels der großzügigen Verglasung der Foyers an den Enden noch verstärkt wird. Tageslicht dringt in die Tiefe des Raumes. In der Mitte des Gebäudes versorgt ein Atrium den Zentralbereich zusätzlich mit natürlichem Licht.

Die Gruppenräume verfügen alle über große, raumhohe Fensteröffnungen, die Ausblicke auf den alten Baumbestand im Wechsel der Jahreszeiten und die Dachlandschaft der Gemeinde ermöglichen. Beruhigt wird die Gestaltung durch das optische Zusammenfassen der Fensteröffnungen innerhalb der Außenwände. Diese Zwischenflächen werden durch farbiges Glas kaschiert. Darin spiegelt sich die Umgebung, was den Kindern reizvolle Wahrnehmungen ermöglicht. Ansonsten soll sich das Gebäude ohne zusätzliche Farbgestaltung neutral in die Umgebung einfügen. Der Baukörper berührt den Boden nur an wenigen Stellen, so dass eine gewisse formale Leichtigkeit entsteht.

Im Untergeschoss, geschützt vor Tageslicht, befindet sich das Gemeindearchiv, mit teilweise kostbaren, historischen Dokumenten. Dort besteht für interessierte Bürger die Möglichkeit, sich mit der Historie der Gemeinde Wiernsheim zu beschäftigen. Des Weiteren sind die Technikräume und ein Werkraum, der gleichzeitig auch als Schwarzlichttheater genutzt werden soll, im Untergeschoss untergebracht.